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Dienstag, 20. April 2010

re:publica und re:campaign


 
Wenige Tage vor dem Launch der Beta-Version von www.futurechallenges.org hatte ich Gelegenheit, gemeinsam mit Henrik Scheller und Yvonne Eich die neue Plattform zu den Interdepenzen der globalen Megatrends einem Fachpublikum vorzustellen. Die re:publica hat sich seit 2007 als Konferenz über Blogs, soziale Medien und digitale Gesellschaft etabliert.In Form eines internationalen Blogger-BarCamps mit 2.500 Teilnehmernwurden die gesellschaftlichen Auswirkungen des Internets diskutiert. Die re:campaign als Unterkonferenz beschäftigte sich explizit mit der Frage, in wie weit das Web 2.0 für NGOs genutzt werden kann. In Vorträgen, Workshops und einem Open Space tauschten sich NGO-Experten, internationale Referenten und Webspezialisten über Kampagnen im Netz aus.

Prägend für die gesamten 4 Tage, der beiden Veranstaltungen, war der Vortrag von Prof. Peter Kruse, der der Bertelsmann Stiftung in verschiedenen Programmkontexten verbunden ist. Prof. Kruse wies in seinem Vortrag „What´s next – wie Netzwerke Wirtschaft und Gesellschaft revolutionieren“ auf die weit reichenden Folgen internetbasierter Kommunikation auf Prozesse in Unternehmen, Politik und Gesellschaft hin. Nur die Institutionen, die die Relevanz des Netzwerkdenkens und –arbeitens berücksichtigen, hätten in Zukunft noch eine Bedeutung auf den politischen und wirtschaftlichen Märkten des Meinungs- und Produktaustausches. Dass dies nicht ohne Friktionen in bestehenden Strukturen vonstatten gehe, sei selbstredend.

Der Vortrag von Jeff Jarvis (Autor von „What would Google do?“) auf der re:publica stellte das zweite Highlight des BarCamps dar. Jarvis wies auf das Paradox hin, dass insbesondere die Deutschen zwar nicht wollten, dass ihr Eigenheim bei Google Street View auftauche, man aber ansonsten im privaten Umfeld keine Scheu habe, Dinge von sich preiszugeben. Es ist damit letztlich Unternehmen im Internet empfohlen, die jeweiligen sehr länderspezifischen Interpretationen von „Privatssphäre“ zu berücksichtigen.

Insgesamt ergab sich im Zuge beider Veranstaltungen der Eindruck, dass die Gesellschaft zukünftig in so von Prof. Kruse genannte Digital Visitors und Digital Residents gespalten werde. Hierbei zeichnet die Visitors – auch bei intensiver Nutzung - eine große Skepsis gegenüber dem Netz aus. Das Social Web ist für die Visitors eine bedenkliche Entwicklung. Die Residents hingegen fühlen sich im Social Web erst richtig wohl und nutzen dies ergänzend zur realen Welt für ihre Arbeit und Pflege der sozialen Kontakte. Dies mag auf den ersten Blick keine Relevanz haben; bei näherer Betrachtung berührt es aber unser Verständnis vom sozialen Miteinander und damit den gesellschaftlichen Wertekern.