.

.

Mittwoch, 17. März 2010

Was haben Daten mit Demokratie und Zukunft zu tun?

Die letzten Wochen – gekennzeichnet durch die einvernehmliche Kritik gegenüber dem sogenannten Datenkraken Google – lassen einen zu der Vermutung kommen, dass Datensammeln eine Demokratie gefährdende Tätigkeit sein könnte.

Die letzten beiden Arbeitstage lassen aus meiner Sicht deutlich Zweifel an dieser einseitigen Sicht aufkommen. Die Datentransparenz und die Datenverfügbarkeit ist eine Grundvoraussetzung dafür, dass der Bürger tatsächlich zu souveränen Entscheidungen bezüglich des Gemeinwesens kommen kann. Nun kann man Googles Datensammlung nicht unbedingt mit den kommunalen Daten über Finanzen und Bildungspotenzialen vergleichen – hier steht privat gegen öffentlich, individuell gegen aggregiert. Es steht aber zu befürchten, dass die durch die veröffentlichte Diskussion in Gang gesetzte Panik einige Folgeschäden verursachen wird, wenn es darum geht, dass politische oder gemeinnützige Akteure nach der Datengrundlage globaler Herausforderungen und der von ihnen getroffenen Entscheidungen suchen.

So setzt sich die Initiative „apps4democracy“ das Ziel, im Sinne des open data-Ansatzes Applikationen zum zielgerichteten Einsatz kommunaler Daten zu entwickeln. Ist es nicht genau das, was die kommunalen Akteure als Grundlage ihres Handelns betrachten müssten? Transparenz über kommunale Problemfelder herstellen, diese vom Bürger finanzierten Daten demselben zur Verfügung stellen und gemeinsam zu einer Entscheidung zu gelangen? Erst mit dem Zugang zu diesen Daten kann der Bürger seine Entscheidungssouveränität wieder erlangen.

Das internationale Pendant konnte ich heute in einem mehrstündigen Interview mit Hans Rosling und dem Tool Gapminder näher kennen lernen. Es war mehr als erstaunlich zu erkennen, dass sich viele scheinbare Gewissheiten in der veröffentlichten Diskussion um globale Probleme bei näherer Betrachtung der verfügbaren Daten als Pauschalurteile und mangelnde Differenzierung zu erkennen geben. Aber nicht nur die umfassende Datengrundlage global relevanter Entscheidungen ist eine Voraussetzung zur Bekämpfung von Armut, Konflikten und anderen auch zukünftigen Herausforderungen. Es ist dies auch die anwenderorientierte Animation dieser Daten. Rosling hat den I-net-usern in den letzten Jahren bei vielen Veranstaltungen verdeutlicht, dass dieser Aspekt die zweite wichtige Voraussetzung zur Akzeptanz von Daten darstellt. Dies allerdings dann unmittelbar mitzubekommen, lässt die Offensichtlichkeit der Relevanz von adäquaten Daten noch mal sehr viel eindringlicher erscheinen. Sehr wahrscheinlich kann Googles Datensammlung auch Gutes bezwecken. Sich darüber Gedanken zu machen, ist sicherlich zukunftsweisender als die o.g. veröffentlichte Verurteilung.