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Freitag, 5. März 2010

Institutionen und Zukunft

Am heutigen Freitag konnte ich einer spannende Diskussion beim Deutschen Roten Kreuz mit einem eigenen Vortrag über die Zukunft von Institutionen in einer von globalen Megatrends und Internet geprägten Welt beiwohnen. Dass sich das DRK dieser Frage auch nach der eigenen Zukunft stellt, ist wichtig und richtig. Mit dieser Vorgehensweise befindet sich das DRK im Kreise der wohlfahrtsstaatlichen Institutionen durchaus im vorderen Bereich der Wandlungs- und Reformfähigkeit.

Zur Zeit – zuletzt wieder bei der Eröffnungsrede von Bundeskanzlerin Merkel zur Cebit – wird das Wissen über die Bedeutung der Demographie immer mehr zum Allgemeingut in der öffentlichen und der veröffentlichen Diskussion. Dabei sind die gängigen Auswirkungen – Belastung der gesetzlichen und der privaten Rentenversicherungen, sinkende Schülerzahlen, steigender Fachkräftemangel, Einschnitte in den Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherungen und die negative Dynamik der öffentlichen Finanzen – durchaus (im positiven Sinne) zwischenzeitlich Mainstream. Hierbei sollte aber nicht übersehen werden, dass es nach wie vor eine Minderheit von Akteuren in dieser Diskussion gibt, die den Zahlen zur Demographie, die sie vernehmen muss, nicht traut.

Kaum ist der Mechanismus der Demographie jedoch einiger Maßen transparent und erklärbar geworden, kommt weltweit in den letzten zwei Jahren hinzu, dass die globalen Interdependenzen deutlich sichtbarer geworden sind oder aber durch das Internet als stark zunehmend empfunden worden sind. Wie aber sind diese globalen Interdependenzen auch nur annähernd zu verstehen oder abzubilden? Dass dies gegenwärtig (noch) nicht erreichbar, ist nachvollziehbar. Der Kenntnisstand über die Interdependenzen ist noch lange nicht in der Tiefe vorhanden, wie dies für die Betrachtung der einzelnen Trends per se gilt.

Wie sollen aber politische, soziale und gesellschaftliche Eliten rationale und die „richtigen“ Entscheidungen, wenn keine Kenntnis über die komplexen Folgen dieser Entscheidungen vorliegen können? War aber gerade diese Interpretationsfähigkeit und die Verlässlichkeit der Entscheidungseliten im Verständnis von gesellschaftlichen Entwicklungen in der Vergangenheit nicht immer (und dies nicht nur in der Pluralismusverständnis der Demokratietheorie) ein Grundpfeiler des demokratischen Systems – und dies nicht zuletzt in der Aufgabenteilung im Rahmen des politischen Systems (politics) so implizit gutgeheißen?

Wie könnte aber vor diesem Hintergrund die zukünftige Rolle der Institutionen wie dem Deutschen Roten Kreuz im Zuge gesellschaftlicher Dynamiken ausgestaltet sein? Sicherlich liegt eine Handlungsoption des der Neutralität verpflichteten DRK (wie des RK insgesamt) in der Stärkung des „Markenkerns“ – ein Gegenangebot zu den Werten der reinen Wirtschaftlichkeit. Hier könnten sich auch andere vergleichbare Institutionen Glaubwürdigkeit verdienen und damit an Gewicht in der netzwerkbasierten Diskussion um globale Trends gewinnen. Das wäre dann doch mal eine positives Szenario für die Zukunft.