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Samstag, 27. März 2010

Gefährdet das Internet die Demokratie?

Nachdem ich heute der Einladung des Info-Point Europe zu einem Vortrag über die Befassung mit globalen Megatrends durch die Europäische Union gefolgt bin, ergeben sich für mich drei Erkenntnisse aus der Veranstaltung und der Diskussion des Vortrags:

1. Die Hamburger Hafencity - dort fand diese Hamburger Unconference statt - ist deutlich beeindruckender als man vielleicht als Auswärtiger gemeinhin durch die Medien wahrnimmt. Dies hat allerdings nichts mit dem Inhalt des Vortrags zu tun, stimmt aber dennoch optimistisch, wenn man die schlechte Zukunftsperspektive der Stadt Hamburg in den 1980er Jahren mitbekommen hat.

2. BarCamps und Unkonferenzen sind ein sehr geeignetes Mittel. um die Relevanz von Themen zu überprüfen. Der Markt der Meinungen und Inhalte in der öffentlichen Sessionplanung im Vorwege der eigentlichen Arbeitsphase ist sehr transparent und lässt schnell eine Priorität der Anwesenden bezüglich der vorgestellten Themen erkennen (man beachte die Karte auf der linken Seite mit nur einer Stimme in Form eines Klebepunktes). Gehört man zu den Themenvertretern mit nur einem Klebepunkt, sollte man (Frau) sich Gedanken machen, woran dies liegen könnte.



3. Zwischen Alt und Jung herrschen sehr unterschiedliche Auffassungen darüber, was Demokratie eigentlich ausmacht. Während unter den älteren Teilnehmern (> 40) das klassische Verständnis einer repräsentativen (und damit indirekten) Demokratie und dem Idealbild eines sich selbst regulierenden Pluralismus vorherrscht, geht es den Jüngeren eher um die Frage, wie das Internet und die Arbeit in den NGOs genutzt werden kann, um sich politisch in der Demokratie zu engagieren und diese direkter als dies bisher möglich war, auszuformen. Das Erfreuliche ist, dass beide Altersgruppen das grundsätzliche Ziel eint, die Beteiligung der Bürger am politischen System grundsätzlich wieder zu erhöhen.

Schnell kamen wir in der Diskussion meines Vortrags daher zur Frage, ob das Internet die Demokratie eher gefährden oder stärken könnte. Die Kritiker einer internetbasierten Willensbildung als Bestandteil der repräsentativen Demokratie führten die Anonymität des Netzes, die Willkür von negativer Meinungsmache und die Möglichkeiten zur Manipulation an. Befürworter einer internetbasierten Aktivierung der Bürger betonten hingegen die Handlungspotenziale, die die Tools mit sich brächten. Auch die Transparenz, die inkonsistentes Verhalten tradierter Institutionen zum Vorschein brächte, wurde positiv hervor gehoben. Ich denke mit Blick darauf, dass das Internet - wie von Bill Gates ehemals als vorübergehende Erscheinung genannt - keine solche Einmaligkeit sein wird. Es kommt demnach darauf an, die Potenziale zu nutzen.